Walther-Glas Austria ist pleite
Der Siebensterner Glashersteller Walther-Glas hat für seine Produktionsstätte im österreichischen Braunau ein "Gerichtliches Sanierungsverfahren mit Sanierungsplan" beantragt. Dies bestätigte Geschäftsführer Volker Walther gegenüber der Neuen Westfälischen. Auswirkungen auf die Produktion in Siebenstern soll die Insolvenz nicht haben.
Mit dem Verfahren für Walther-Glas Austria hat das Landesgericht Ried einen Masseverwalter beauftragt. Ziel ist es, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Produktionsstätte aus der Krise zu führen. Ob das gelingt, ist nach dem Zwischenfall im Werk allerdings fraglich.
In der Nacht zu Montag war die 1.500 Grad heiße Glaswanne gebrochen und ein Großteil der 60 Tonnen flüssigen Glases ausgeflossen (die NW berichtete). Damit habe sich die Situation für das Werk mit 155 Mitarbeitern grundlegend geändert. Denn zurzeit steht die Produktion vollständig still, die Wahrscheinlichkeit, dass die gebrochene Wanne noch einmal angefeuert werden könne, liege bei fünf Prozent, so Volker Walther.
Business-Plan funktioniert jetzt nicht mehr
"Jetzt funktioniert der ganze Business-Plan nicht mehr. Wir müssen binnen zehn Tagen einen Investor für die Wanne finden. Gelingt uns das nicht, bedeutet dies das Aus für die Produktion in Österreich", erklärte Walther, der sich jedoch zuversichtlich zeigte. In den kommenden Tagen gebe es bereits einige Gesprächstermine.
Nur mit dem gerichtlichen Sanierungsverfahren, schrieb Walther an Kunden und Lieferanten, "kann nach Überzeugung der Geschäftsführung der Fortbestand des Unternehmens gewährleistet werden. Diese Vorgehensweise erlaubt es dem Unternehmen, die grundsätzlich positive Entwicklung voranzutreiben. Das Verfahren soll in möglichst kurzer Zeit abgeschlossen werden."
Aber selbst wenn sich ein Investor findet, könne die Produktion mit einem neuen Schmelzofen erst Ende November aufgenommen werden – zu spät für das lukrative Herbst- und Weihnachtsgeschäft.
Produktionsverlagerung nach Bad Driburg unmöglich
Das Insolvenzverfahren hat Walther-Glas bereits am 1. Juli, also lange vor dem Zwischenfall eingeleitet. "Trotz zufriedenstellender Umsatzentwicklung hat die nach wie vor andauernde Wirtschaftskrise, verbunden mit der Notwendigkeit von betriebsinternen Investitionen im Unternehmen zu Liquiditätsengpässen geführt", erklärte der Geschäftsführer.
Walther-Glas hatte das Werk erst 2007 übernommen, nachdem der Vorgänger Inn Crystal Glas ebenfalls Insolvenz beantragt hatte. Erst im September 2009 konnte die Umstrukturierung abgeschlossen werden – die Produktion wurde auf Kelchgläser spezialisiert.
Die Schwierigkeiten verstärkten sich durch einen Wannenbruch im Februar, der einen Produktionsstillstand über mehrere Wochen sowie hohe Reparaturkosten nach sich zog. Die Umsätze reichen derzeit nicht aus, um die Verbindlichkeiten ordnungsgemäß zu bedienen. Rund 145 Gläubiger sind nach Angaben von Creditreform Österreich betroffen.
Brisant ist, dass die Insolvenz in Braunau bereits in einer anonymen Anzeige wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung bei der Staatsanwaltschaft Paderborn am Freitag angekündigt wurde. Darin wirft der Anzeigenerstatter der Geschäftsführung in 13 Punkten vor, die schlechte Unternehmenslage nicht ernst zu nehmen. Walther weist die Vorwürfe zurück.
Er betont, dass die Insolvenz keine Auswirkungen auf die Produktion in Siebenstern habe. "Es wird auch kein Geld von Bad Driburg nach Österreich fließen", so Walther. Allerdings sei es ebenfalls nicht möglich, die Produktion in den Kreis Höxter zu verlagern. Dies sei schon 2008 einmal geprüft worden. Die Kosten für den Umbau und Umzug seien allerdings viel zu hoch.
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